NEWS
Finale Herren: Rot-Weiss Köln - UHC Hamburg 4:3 (2:0)
05.07.2015

In einem über die komplette Spielzeit spannenden Finale zur 73. Deutschen Feldhockey-Meisterschaft sicherten sich die Herren von Rot-Weiss Köln den Titel. In der bis zum Schlusspfiff engen Partie setzen sich die Rheinländer mit 4:3 (2:0) gegen den Lokalmatadoren UHC Hamburg durch. Die Hamburger gerieten früh in Rückstand und mussten zweimal sogar einer Drei-Tore-Führung hinterherlaufen, kamen am Ende aber noch mal auf einen Treffer heran. Somit wartet der UHC Hamburg weiter auf seinen ersten Feldtitel, während die Kölner mit Trophäe Nummer sieben mit dem Club an der Alster und dem Berliner HC gleichziehen.

„Wir haben die Anfangsphase, als der UHC noch keine klare Linie hatte, gut für uns genutzt“, wies Meistertrainer Frederik Merz auf die spielentscheidende Phase bereits zu Beginn der Partie hin. „In der zweiten Halbzeit ging so ein bisschen die Sorge um, dass man den Pokal, den man fast schon in der Hand hatte, doch noch verlieren könnte. Wir haben uns aber immer wieder auf die wichtigen Dinge besonnen, defensiv alles reingeworfen, die Druckphase des UHC am Ende überstanden und das Ding trotzdem gewonnen.“ Die Spannung der Partie fasste Kölns Doppel-Olympiasieger Christopher Zeller zusammen, der das Finalwochenende verletzt nicht mit bestreiten konnte: „Wenn man so ein Spiel von außen betrachten musst, ist das noch viel aufregender. Was die Jungs aber geleistet haben, ist Weltklasse. Gestern und heute haben sie das wirklich souverän gespielt. Am Ende wurde es natürlich noch mal knapp, aber ich war sicher, dass die Jungs den Pokal holen, weil sie einen guten Eindruck gemacht haben.“

UHC-Coach Kais al Saadi brauchte nach der nervenaufreibenden Schlussphase etwas, um die passenden Worte zu finden: „Von hinten angefangen war das Spiel fünf Minuten zu kurz. Von vorne gesehen, war die Phase zu lang, in der wir nur hinterhergelaufen sind und keine Spielkontrolle bekommen haben. Das ist uns erst nach dem 0:3 leichter gefallen. Wir sind immer da, wenn wir hinten liegen, aber so ein Rückstand ist natürlich eine Hypothek. Wir wussten, dass wir hinten raus noch Reserven haben. Aber der Kräfteverschleiß gestern war doch größer als gedacht, die Energieleistung am Ende resultierte eher aus dem Mute der Verzweiflung. Wie wir aber trotzdem zurückgekommen sind, war schon sehr beeindruckend.“

Vom Anpfiff an machten sowohl der UHC Hamburg als auch Rot-Weiss Köln deutlich, dass sie sich vor rund 1.700 Zuschauern nicht den Schneid abkaufen lassen wollten. Es entwickelte sich ein schnelles Spiel mit Spielzügen über wenige Stationen. Es waren gerade einmal achteinhalb Minuten gespielt, da wurde Benjamin Weß mustergültig rechts im Schusskreis freigespielt und der 29-Jährige schloss eiskalt zur Kölner Führung ab. Zwei Minuten später hatte Tino Teschke die Chance zum Ausgleich, aber Victor Aly im Rot-Weiss-Kasten parierte den Stecher aus kurzer Distanz. Anderthalb Minuten vor Ende des ersten Viertels konnte sich sein Gegenüber Nicolas Jacobi erstmals auszeichnen, blieb aber gegen Florian Adrians schadlos.

Im zweiten Viertel hatte Rot-Weiss weiter mehr Spielanteile: Angriffsmotor Weß zog in den Hamburger Kreis, sein Querball war aber zu ungenau für den nachrückenden Kölner Stürmer. Kurz darauf verfehlt Mats Grambuschs Schuss Richtung langen Pfosten Freund und Feind. Dann bediente wieder Weß Florian Scholten mit einem langen Ball, aber Jacobi kam raus und entschärfte die Situation. Auf der anderen Seite fand Alexander Perdonis Flanke keinen Abnehmer und Niklas Bruns „Schüsschen“ stellte keine ernsthafte Probe für Köln-Rückhalt Aly dar. Auch nach einer UHC-Auszeit störte Rot-Weiss weiter früh, Philip Schmids Stecher blieb da die einzige Aktion der Hamburger. Den Schlusspunkt vor der Pause setzten wieder die Kölner: Joshua Delarber setzte sich an der linken UHC-Grundlinie durch, sein Querball wurde von UHCs Perdoni unglücklich ins eigene Tor abgelenkt.

Beflügelt durch die Zwei-Tore-Führung machten die Domstädter auch nach dem Seitenwechsel weiter Druck. Es waren keine zwei Minuten gespielt, da stand es 3:0. Mats Grambusch vollendete nach sehenswerter Ballstafette mit Marco Miltkau und Weß. Als die Partie entschieden schien, ließen sich die Kölner das Spiel aber noch einmal aus der Hand nehmen, der deutliche Rückstand wirkte für den UHC wie ein Weckruf: Moritz Fürstes Schrubber in den Kölner Schusskreis stach Schmid in die Maschen – nur noch 1:3 (43.). Und Köln ließ sich weiter aus dem Konzept bringen, Mats Grambusch sah Grün, Aly musste in höchster Not mit dem Schläger klären. Aber auch auf der anderen Seite rettete wieder Fürste für seinen Torhüter einen RWK-Torschuss auf der Linie. In der direkt darauf folgenden Szene ging UHC-Schlussmann Jacobi aber etwas zu ungestüm in den Zweikampf, es gab folgerichtig Siebenmeter. Hier ließ sich Tom Grambusch nicht bitten und brachte Köln mit einem halbhohen Schlenzer wieder mit drei Toren in Front. Weß‘ grüner Karton knapp 20 Minuten vor dem Ende leitete bereits die Schlussphase der Partie ein, in der die Hanseaten eindeutig stärker agierten. Noch vor der zweiminütigen Viertelpause konnte Florian Fuchs mit einem flachen Schuss auf 2:4 anschließen. Kurz darauf hatte der 23-Jährige sogar das 3:4 auf der Kelle, sein Stecher schrammte aber knapp am Tor vorbei.

Im letzten Viertel kam Köln gleich zu seiner ersten Strafecke, Jacobi parierte gegen Tom Grambusch aber stark. Neun Minuten vor Ende kamen auch die Hamburger zu ihrer ersten „Kurzen“, den Flachschlenzer von Fürste lief Rot-Weiss aber ab. Knapp sieben Minuten legte der UHC noch einmal einen Gang zu, Jonas Swiatek übernahm als zwölfter Feldspieler die Torwartrechte, das Al Saadi-Team fand aber trotzdem kein richtiges Mittel gegen die eng stehende Kölner Defensiver. Mit noch vier Minuten auf der Uhr bekam UHC eine weitere Strafecke zugesprochen, diesmal war Fürste erfolgreicher, sein flacher Ball fand den Weg zum 3:4-Anschluss in den Kölner Kasten. Hamburg warf nun noch mal alles nach vorne, schnürte Köln am eigenen Kreis ein, kam aber in den verbleibenden 180 Sekunden zu keinem Torerfolg mehr.

Tore:
1:0 Benjamin Wess (9.)
2:0 Joshua Delarber (35.)
-------------------
3:0 Mats Grambusch (37.)
3:1 Philip Schmid (43.)
4:1 Tom Grambusch (7m, 47.)
4:2 Florian Fuchs (51.)
4:3 Moritz Fürste (KE, 68.)

Strafecken:
RWK 1 (kein Tor) / UHC 2 (1 Tor)

Siebenmeter:
RWK 1 (1 Tor) / UHC 0 (kein Tor)

Grüne Karten:
Mats Grambusch (44., Foulspiel), Benjamin Weß (47., Foulspiel) / ---

Zuschauer: 1700

Schiedsrichter:
C. Blasch / J. Brieschke
70. [D] & 73. Endrunde [H] Feld
4./5. Juli 2015 in Hamburg